LissabonGrossstadt mit Tücken könnte man auch sagen. Folgende Geschichte bekleckert mich wohl nicht grade mit Ruhm und Vernunft, doch ist sie vieleicht gerade desshalb erzählenswert, und vermag wömöglich anderen naiven Jungs (und Mädels) vor ähnlichen Missgeschicken im Umgang mit Menschen bewahren
Also: Gestern bin ich guter Dinge nach einer dreistündigen, schönen Bussfahrt hier angekommen, und zu Fuss mit Vollgepäck durch die Stadt gelaufen, auf dem Weg zum Hostel. Es sei angemerkt, das es mehrere Stunden dauert, einmal durch Lissabon zu laufen. Da fragt mich eine hübsche Frau nach der Uhrzeit, ich, charmant wie ich bin,gebe ihr die gewünschte Auskunft. Auf dem weitern Weg, einer Promenade entlang, fällt mir auf, das sie sich, mal auf der anderen Strassenseite, mal auf der meinen, immer in meiner Nähe aufhält. Nach einiger Zeit fragt sie mich, ob ich denn englisch spreche, ja "a litle bit" oder so. Darüber erfreut wie sie sich gab, verwickelte sie mich in ein Gespräch. Sie kommte aus Südafrika, um hier ein Studienplatz zu beantragen, und später wolle sie sich in London ausbilden lassen, um danach behinderten und Strassenkindern zu helfen. Mit etwas stölz erzählte ich ihr von meinen Plänen, welche sie sehr mutig und spannend fand, ihr Vater sei auch die ganze Küste von nord- nach Südafrika gewandert. Jetzt zu ihrem Problem, sie suche ein Bank, um Ihre Neira (nigerianische Währung, wie sich im nachhinein herausstellte) zu wechseln, doch am Sonntag haben selbst in Portugal die Banken geschlossen. Und sie müsse eigentlich zu einer Uni, welche sich etwas ausserhalb von Lissabon befinde, um sich einzuschreiben. "Ich gebe dir gerne etwas Geld, um mit dem Buss dorthin zu fahren" meinte ich grosszügig, doch sie lehnte dankend, mit einem bezaubernden lächeln ab, neinein, sie wolle kein Geld von mir. Wie lange ich denn in Lissabon bleibe, ob ich vielleicht in dieser Zeit mal lust habe, mit ihr einen Kafe zu trinken, sie sei froh, mal mit jemanden in english zu sprechen.... Usw und sofort, sie gab mir sogar ihre Telefonnummer, und zeigte mir auf ihrem (afrikanischen) Lissaboner Stadtplan, wo sie abgestigen sei. Nach bald einer Stunde, und einem interessanten Gespräch meinte sie, es sei hier wohl auch nichts in der Gegend mit Bank und so, und sie verabschiedet sich freundlich von mir mit einem cu. Ich ging weiter, worauf sie sich nochmals an mich wandte, mit der Frage, ob ich ihr nicht doch etwas Geld wechseln könne, sie habe über die Western Union Bank geld überweisen lassen, welches sie morgen erhalte. Da wurde ich schon etwas misstrauisch, und sagte, ich traue ihr nicht.
Irgendwie hat sie es dann aber doch geschafft, mich um den Finger zu wickeln, und ich wechselte ihr 40 Euro gegen ein ganzes Bündel Neira. Na ja, eigentlich bat sie mich nur um 30, doch ich hatte nur 20iger.... Sie versprach nochmals dankend, mir das Geld morgen vorbei zu bringen, und verschwand, und ich ging weiter
Das war dann auch der Moment, wo bei mir wieder das Denken die Kontrolle übernahm, und mir wurde bewusst, das ich nach Strich und Faden verarscht wurde. Eben diese Denken offenbarte mir all die Ungereimtheiten an den voran gehörten Geschichten--- natürlich gibt es wundersame Zufälle, und Situationen, in denen ein Mensch in der Klemme sitzt und Hilfe braucht, aberdas war alles zu glatt und rund, als das es hätte stimmen können. Diese Gedanken haben sich spätestens beim Versuch, das Geld einzuwechseln und dem verständnissvollen Lächeln der Schalterbeamtin bestätigt, die wohl genau wusste, was dem vermeintlichen Geldwechsler wiederfahren war, indem sie eben mir offenbarte, das das Bündel Geldnoten grade mal Euro 2.50 wert sei, und solche Beträge, einer solchen Währung nicht gewechselt werden können.
Auch habe ich die Telefonnummer nie angerufen, und ebensowenig von der süssen "Südafrikanerin" gehört. Klar, war schon etwas ärgerlich, andererseits buche ich die 40 Euro unter Lehgeld, und wer weiss, vieleicht bewahrt mich diese Erfahrung eines Tages vor einer noch grösseren Dummheit, indem sie mich lernt, die nötige Sensibilität im Umgang mit Menschen zu bewahren, auch wenn das Gehirn mal wieder abschaltet. Oder? :-) |